VIDEONALE.scope #3

Scope #3
Christoph Girardet & Matthias Müller, *Kristall*, 2006

Found Footage: Werkschau Joseph Cornell / Christoph Girardet & Matthias Müller

Präsentiert im Rahmen von CineCologne

Eine Kurzfilmreihe der Videonale Bonn
Kuratiert von Daniel Kothenschulte

Joseph Cornell
Die dritte Ausgabe von VIDEONALE.scope steht ganz im Zeichen des „Found Footage“-Films. Der amerikanische Künstler und Filmemacher Joseph Cornell (1903-1972) wurde berühmt mit verglasten Holzkäsen, in deren Innenräumen vorgefundene und angefertigte Gegenstände Beziehungen eingehen, ja so sehr miteinander verschmelzen, dass sie der Außenwelt für immer entrückt erscheinen. Seinem filmischen Werk wurde erst spät die gleiche Aufmerksamkeit zuteil, obwohl ihm eine ähnliche Gestaltungsmethode zu Grunde liegt: In der gänzlich subjektiven Montage filmischer Fundstücke schaffen sie neue Bedeutungszusammenhänge oder legen den Finger auf verborgene Subtexte der Originale. Heute ist der Found-Footage-Film, wie ihn Joseph Cornell zur Kunstform machte, ein eigenes Genre im Avantgardefilm. Erstmals zeigt VIDEONALE.scope eine umfassende Retrospektive seiner Filme in Deutschland, darunter auch Cornells berühmtestes Werk „Rose Hobart“ aus dem Jahr 1936. Ergänzt wird die Werkschau durch ein Programm von Zeitgenossen und Wegbegleitern Cornells, mit denen er für viele seiner Werke eng zusammen arbeitete, wie u.a. Stan Brakhage, Larry Jordan und Brian Frye.

Christoph Girardet & Matthias Müller
In Deutschland wird Found Footage besonders mit zwei Namen in Verbindung gebracht: Christoph Girardet & Matthias Müller. Seit 16 Jahren tauchen die beiden Filmkünstler in ihrem gemeinsamen Schaffen in die Filmgeschichte ein und schreiben dabei selbst Filmgeschichte. Dabei decken sie die verborgenen Rituale des klassischen Filmerzählens auf und hinterfragen die schillernden Oberflächen, in dem sie diese zugleich zelebrieren. Unabhängig davon trugen sie in ihren jeweiligen Solo-Werken maßgeblich dazu bei, den Found-Footage-Film als eine der wichtigsten Sprachen in der zeitgenössischen Film- und Videokunst zu etablieren und führten ihn künstlerisch zu besonderen Höhen.

In vier umfassenden Programmen geben wir sowohl Einblick in das Einzelwerk beider Künstler als auch in die zahlreichen Gemeinschaftsproduktionen, die seit Ende der 1990er Jahre entstanden sind. Gezeigt werden u.a. die preisgekrönte Arbeit „Contre-jour“ (2009) und die emblematischen Werke „Locomotive“ (2008) und „Cut“ (2013). Die Filmemacher sind anwesend und führen in die Programme ein.

Aus Anlass des 25-jährigen Jubiläums der Kunsthochschule für Medien Köln zeigen wir außerdem zwei Kurzfilmprogramme unter dem Titel „Wie wir sehen“ mit Werken von Studierenden aus den letzten Jahren.

EINTRITT
7 Euro / 5 Euro (ermäßigt)
Kombi-Ticket (2 Scope-Programme) = 12 Euro
Kombi-Ticket (2 Scope-Programme) ermäßigt = 10 Euro
CineCologne-Festivalpass (für alle CineCologne-Festivals) = 30 Euro / 25 Euro (ermäßigt)

Programm Scope #3 im Überblick

Datum
Titel
Genre
Mi, 18.11.2015
19:00 Uhr

VIDEONALE.scope #3: Christoph Girardet & Matthias Müller I

Screening

Vacancy, Matthias Müller, 16mm, 1998, 14'
Enlighten, Christoph Girardet, 2000, 5'
Beacon, Christoph Girardet & Matthias Müller, 2002, 15'
Phoenix Tapes, Christoph Girardet & Matthias Müller, 1999, 47’

Vier moderne Kunstfilmklassiker: In vielfach prämierten Vacancy dienen alte Amateurfilme aus der modernistischen Kunststadt Brasilia als Ticket zu einer melancholischen Reise. Enlighten sucht das Erhabene in künstlichen Gewitterszenen aus Hollywoodklassikern. Beacon führt dagegen an einen anderen Sehnsuchtsort des Kinos, wenn Küsten- und Strandszenen aus zehn Spielorten miteinander verschmelzen. Und der fast abendfüllende Phoenix Tapes verrät kommentarlos alles über Hitchcock – eine Montage seiner Obsessionen, ein Streifzug durchs Gesamtwerk und einer der klügsten Filme über das Kino überhaupt.

Die Filmemacher sind anwesend.

Mi, 18.11.2015
21:30 Uhr

VIDEONALE.scope #3: Künstlerische Kurzfilme der KHM Köln

Screening

Katharina Pethke, Anophtalmus, 2005
Henning Frederik Malz, Rest In Me, 2014
Sonja Engelhardt, Crying about the Passing of Time, 2005
Julia Weissenberg, Schneesturm, 2012
Lukas Marxt, Reign of Silence, 2013
Johanna Reich, Black Hole, 2009
Daniel Burkhardt, grundlos, 2005
Benjamin Ramírez Pérez, During The Day My Vision Is Perfect, 2013
Stefan Ramírez Pérez, Stick It, 2014
Eli Cortiñas, Dial M for Mother, 2008
Miriam Gossing & Lina Sieckmann, Desert Miracles, 2015

Ergänzend zur Werkschau von Christoph Girardet & Matthias Müller zeigt VIDEONALE.scope aus Anlass des 25-jährigen Bestehens der KHM Köln zwei Programme mit künstlerischen Kurzfilmen von Studierenden der Hochschule, an der Matthias Müller als Professor unterrichtet.

Die Programme werden vorgestellt von Prof. Daniela Kinateder (Künstlerische Montage) und Prof. Matthias Müller (Experimenteller Film).

Do, 19.11.2015
19:00 Uhr

VIDEONALE.scope #3: Christoph Girardet & Matthias Müller II

Screening

Play, Christoph Girardet & Matthias Müller, 2003, 7'20''
Mirror, Christoph Girardet & Matthias Müller, 2003, 8'
Maybe Siam, Christoph Girardet & Matthias Müller, 2009, 12'20
Locomotive, Christoph Girardet & Matthias Müller, 2008, 21'
Meteor, Christoph Girardet & Matthias Müller, 2011, 15'
Cut, Christoph Girardet & Matthias Müller, 2013, 13'

Für Hollywood zählt nur das Publikum, und in Play sieht man auch gar nichts anderes. Die Filme liest man ab auf den Gesichtern. Mirror ist dagegen eine Inszenierung verlassener Spielräume und Blicke ohne Objekt – und eine Huldigung an Antonioni. Das Kino feiert das Sehen und erzählt deshalb oft von Blinden: Montiert aus Kinoszenen rührt Maybe Siam an die Grenzen eines Kinos, das sonst so gerne in Blicken erzählt. Locomotive widmet sich einem Motiv, das ganz am Anfang der Kinogeschichte steht und eine eigene Filmgeschichte verdient, der Eisenbahn. Meteor beschreibt dagegen den Weg vom Kinderzimmer in den Kosmos, ein hypnotisches Meisterwerk und eine Huldigung an die Transzendenz im Science Fiction. Auch Cut ist eine Feier des Filmschnitts, doch die Messer schneiden sichtbar auf der Leinwand: Einschneidendes zwischen Buñuel und Cronenberg.

Die Filmemacher sind anwesend.

Do, 19.11.2015
21:00 Uhr

VIDEONALE.scope #3: Christoph Girardet & Matthias Müller III

Screening

Release, Christoph Girardet, 1996, 9'30

Scratch, Christoph Girardet, 2001, 4'50
Manual, Christoph Girardet & Matthias Müller, 2002, 9'30''
Absence, Christoph Girardet, 2002, 8'20"
Storyboard, Christoph Girardet, 2007, 5'30
Fabric, Christoph Girardet, 2014, 9'30"
Kristall, Christoph Girardet & Matthias Müller, 2006, 14'30''
Pianoforte, Christoph Girardet, 2007, 6’
Silberwald, Christoph Girardet, 2010, 12'

Wann lässt King Kong die weiße Frau wieder aus der Faust? Die Organisation von Zeit ist alles im Kino und genau an dieser Schraube lässt sich in der Bearbeitung des Materials noch kräftig drehen, wie in Release: und Spannung sind im Kino angeblich ein und dasselbe. Der Ton spielt Hauptrollen in Scratch und Pianoforte, ersterer ein Fest für Turntable-Fetischisten, letzterer eine furiose Montage aus 88 Klavierspielszenen. Dazu: Silberwald, Girardets Wilderei durch die ewig rauschende Naturkulisse alter Heimatfilme. Ein Höhepunkt des Programms ist Kristall, ein moderner Klassiker, der Spiegelszenen widerspiegelt.

Die Filmemacher sind anwesend.

Fr, 20.11.2015
19:00 Uhr

VIDEONALE.scope #3: Joseph Cornell I

Screening

Rose Hobart, 1936, 19’
Carrousell (1940er) 6’
Thimble Theatre (1940er), 6’
The Children’s Trilogy:
Cotillion, 1940, 8’
The Midnight Party, 1940, 3’
The Children's Party, 1940, 8’
Jack’s Dream (1940er) 4’
Untitled (Bookstalls), ca. 1930er, 11’

Joseph Cornell sammelte alte Filmkopien, um seinen behinderten Bruder damit zu unterhalten. Doch die Filme wurden bald langweilig, und so begann der Künstler, sie zu neuen Filmen zusammen zu schneiden. Vielen der Filme in diesem Programm merkt man an, dass ihre dadaistisch wirkende Montage erst einmal Spaß machen sollte. Aber ist der Spaß eines Spiels mit selbstgemachten Träumen. Rose Hobart, sein Meisterwerk, drehte Cornell freilich über die eigenen Sehnsüchte. Aus dem B-Picture East of Borneo schnitt er alle Actionszenen heraus, um ganz seinen Lieblingsstar Rose Hobart wirken zu lassen. Und entdeckte im Spiel der Blicke eine rätselhafte Erotik. Bei der Uraufführung in einer New Yorker Galerie kam es zu einem Skandal: Ein Besucher randalierte, weil ihm Cornell seine Träume gestohlen habe. Es war Salvador Dalí.

Fr, 20.11.2015
21:30 Uhr

VIDEONALE.scope #3: Christoph Girardet & Matthias Müller IV

Screening

Home Stories, Matthias Müller, 1990, 6'
Alpsee, Matthias Müller,1994, 15'
Pensão Globo, Matthias Müller,1997, 15'
Album, Matthias Müller, 2004, 24'
Phantom, Matthias Müller, 2001, 5’
Hide, Christoph Girardet & Matthias Müller, 2006, 7'40
Contre-jour, Christoph Girardet & Matthias Müller, 2009, 10'40''

Matthias Müllers Filme handeln stets von der Ewigkeit und gleichzeitigen Flüchtigkeit des Kinos. Sie überhöhen die Irrealitiät und klinische Perfektion des Hollywood-Studiokinos der 1950er Jahre, das in seinen Dekors und Farben zitiert oder sogar minutiös nachgebaut wird. Zugleich aber geben sie diese Attribute, die „production values“, wie man in der Filmsprache sagen würde, dem Verfall Preis – einem Verfall, der sich bei näherem Hinsehen aber zugleich auch als Schöpfungsakt erweist.

Der Filmemacher ist anwesend.

Fr, 20.11.2015
23:00 Uhr

VIDEONALE.scope #3: Künstlerische Kurzfilme der KHM Köln II

Screening

Tama Tobias Macht, Haltestelle Hansaring, 2008, 6'
Kate Dervishi, Labor Day in Metropolitan Detroit, 2014, 17‘
Jana Debus, Gregor Alexis, 2009, 21'
Maribel Chavez, Preparación, 2011, 2’
Sonja Engelhardt, 2004, 2004, 2'
Lena Ditte Nissen, Korona, 2013, 10'
Mischa Leinkauf & Matthias Wermke, Zwischenzeit, 2008,9‘

Mit „Gregor Alexis" schafft Jana Debus ein subtiles Porträt ihres schizophrenen Bruders, während Lena Ditte Nissen in „Korona“ die Reise einer jungen Frau in ihr innerstes Erleben mit mystisch minimalistischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen erzählt. Vom Individuellen wendet sich der Blick ins urbane Leben: In „Labor Day in Metropolitan Detroit“ wirft Kate Dervishi einen melancholisch-ironischen Blick auf ihre verlassene Heimatstadt. In einer ebenso einfachen wie kühnen urbanen Intervention transformieren Mischa Leinkauf und Matthias Wermke, die im letzten Jahr mit dem Flaggentausch auf der Brooklyn-Bridge weltweit für Schlagzeilen sorgten, in „Zwischenzeit“ den öffentlichen Personennahverkehr in Individualverkehr.

Das Programm wird vorgestellt von Prof. Daniela Kinateder (Künstlerische Montage) und Prof. Matthias Müller (Experimenteller Film).

Sa, 21.11.2015
19:00 Uhr

VIDEONALE.scope #3: Joseph Cornell III

Screening

By Night with Torch and Spear, ca. 1940er, 8’
New York-Rome-Barcelona-Brussels, ca. 1940er, 10’
The Aviary, 1954, 11’
Nymphlight, 1957, 7’
A Legend for Fountains, 1957/1965, 17’
Angel, 1957, 3‘
Gnir Rednow, Stan Brakhage and Joseph Cornell, 1955 ‒ 1960er, 6‘
Mulberry Street, 1957/1965, 9’
Flushing Meadows, 1965/1978, 8’

Als Filmsammler entdeckte Joseph Cornell was er auch in seinen Collagen und Boxen zusammen trug: Eine geheimnisvolle, rätselhafte Schönheit. By Night with Torch and Spear entdeckt in auf dem Kopf stehenden Aufnahmen eines Stahlwerks eine majestätische Schönheit. Eingefärbt und leicht verlangsamt erwecken die Bilder ein stummes Pathos. Man fühlt sich in ein himmlisches Höllenfeuer versetzt.

Zu Gast: Jonas Mekas

Sa, 21.11.2015
21:00 Uhr

VIDEONALE.scope #3: Joseph Cornell und seine Wegbegleiter

Screening

Cornell, 1965, Larry Jordan, 1978, 9’
Centuries of June, Stan Brakhage and Joseph Cornell, 1955, 11’
The Wonder Ring, Stan Brakhage, 1955, 4’
The Secret Story, Janie Geiser, 1996, 9’
What Mozart Saw on Mulberry Street, Rudy Burckhardt, 1956, 6’
Flower, the Boy, the Librarian, Stephanie Barber, 1996, 5’
Our Lady of the Sphere, Larry Jordan, 1972, 10’
What Makes Day and Night, Jeanne Liotta, 1998, 9’
Her Fragrant Emulsion, Lewis Klahr, 1987, 11‘
Oona's Veil, Brian Frye, 2000, 8’
Fresh Cornell, Daniel Kothenschulte, 2015, 14‘

Joseph Cornells Kunst stellt sich gegen das Vergessen.

Die Werkschau zu Joseph Cornell findet statt in Kooperation mit Anthology Film Archives, Canyon Cinema Foundation, The Film-Makers’ Cooperative und The Museum of Modern Art, New York.

Datum
Zeit
Veranstaltung
Ort
Genre

Mi, 18.11.2015

19:00
VIDEONALE.scope #3: Christoph Girardet & Matthias Müller I

Vacancy, Matthias Müller, 16mm, 1998, 14'
Enlighten, Christoph Girardet, 2000, 5'
Beacon, Christoph Girardet & Matthias Müller, 2002, 15'
Phoenix Tapes, Christoph Girardet & Matthias Müller, 1999, 47’

Vier moderne Kunstfilmklassiker: In vielfach prämierten Vacancy dienen alte Amateurfilme aus der modernistischen Kunststadt Brasilia als Ticket zu einer melancholischen Reise. Enlighten sucht das Erhabene in künstlichen Gewitterszenen aus Hollywoodklassikern. Beacon führt dagegen an einen anderen Sehnsuchtsort des Kinos, wenn Küsten- und Strandszenen aus zehn Spielorten miteinander verschmelzen. Und der fast abendfüllende Phoenix Tapes verrät kommentarlos alles über Hitchcock – eine Montage seiner Obsessionen, ein Streifzug durchs Gesamtwerk und einer der klügsten Filme über das Kino überhaupt.

Die Filmemacher sind anwesend.

Screening

Mi, 18.11.2015

21:30
VIDEONALE.scope #3: Künstlerische Kurzfilme der KHM Köln

Katharina Pethke, Anophtalmus, 2005
Henning Frederik Malz, Rest In Me, 2014
Sonja Engelhardt, Crying about the Passing of Time, 2005
Julia Weissenberg, Schneesturm, 2012
Lukas Marxt, Reign of Silence, 2013
Johanna Reich, Black Hole, 2009
Daniel Burkhardt, grundlos, 2005
Benjamin Ramírez Pérez, During The Day My Vision Is Perfect, 2013
Stefan Ramírez Pérez, Stick It, 2014
Eli Cortiñas, Dial M for Mother, 2008
Miriam Gossing & Lina Sieckmann, Desert Miracles, 2015

Ergänzend zur Werkschau von Christoph Girardet & Matthias Müller zeigt VIDEONALE.scope aus Anlass des 25-jährigen Bestehens der KHM Köln zwei Programme mit künstlerischen Kurzfilmen von Studierenden der Hochschule, an der Matthias Müller als Professor unterrichtet.

Die Programme werden vorgestellt von Prof. Daniela Kinateder (Künstlerische Montage) und Prof. Matthias Müller (Experimenteller Film).

Screening

Do, 19.11.2015

19:00
VIDEONALE.scope #3: Christoph Girardet & Matthias Müller II

Play, Christoph Girardet & Matthias Müller, 2003, 7'20''
Mirror, Christoph Girardet & Matthias Müller, 2003, 8'
Maybe Siam, Christoph Girardet & Matthias Müller, 2009, 12'20
Locomotive, Christoph Girardet & Matthias Müller, 2008, 21'
Meteor, Christoph Girardet & Matthias Müller, 2011, 15'
Cut, Christoph Girardet & Matthias Müller, 2013, 13'

Für Hollywood zählt nur das Publikum, und in Play sieht man auch gar nichts anderes. Die Filme liest man ab auf den Gesichtern. Mirror ist dagegen eine Inszenierung verlassener Spielräume und Blicke ohne Objekt – und eine Huldigung an Antonioni. Das Kino feiert das Sehen und erzählt deshalb oft von Blinden: Montiert aus Kinoszenen rührt Maybe Siam an die Grenzen eines Kinos, das sonst so gerne in Blicken erzählt. Locomotive widmet sich einem Motiv, das ganz am Anfang der Kinogeschichte steht und eine eigene Filmgeschichte verdient, der Eisenbahn. Meteor beschreibt dagegen den Weg vom Kinderzimmer in den Kosmos, ein hypnotisches Meisterwerk und eine Huldigung an die Transzendenz im Science Fiction. Auch Cut ist eine Feier des Filmschnitts, doch die Messer schneiden sichtbar auf der Leinwand: Einschneidendes zwischen Buñuel und Cronenberg.

Die Filmemacher sind anwesend.

Screening

Do, 19.11.2015

21:00
VIDEONALE.scope #3: Christoph Girardet & Matthias Müller III

Release, Christoph Girardet, 1996, 9'30

Scratch, Christoph Girardet, 2001, 4'50
Manual, Christoph Girardet & Matthias Müller, 2002, 9'30''
Absence, Christoph Girardet, 2002, 8'20"
Storyboard, Christoph Girardet, 2007, 5'30
Fabric, Christoph Girardet, 2014, 9'30"
Kristall, Christoph Girardet & Matthias Müller, 2006, 14'30''
Pianoforte, Christoph Girardet, 2007, 6’
Silberwald, Christoph Girardet, 2010, 12'

Wann lässt King Kong die weiße Frau wieder aus der Faust? Die Organisation von Zeit ist alles im Kino und genau an dieser Schraube lässt sich in der Bearbeitung des Materials noch kräftig drehen, wie in Release: und Spannung sind im Kino angeblich ein und dasselbe. Der Ton spielt Hauptrollen in Scratch und Pianoforte, ersterer ein Fest für Turntable-Fetischisten, letzterer eine furiose Montage aus 88 Klavierspielszenen. Dazu: Silberwald, Girardets Wilderei durch die ewig rauschende Naturkulisse alter Heimatfilme. Ein Höhepunkt des Programms ist Kristall, ein moderner Klassiker, der Spiegelszenen widerspiegelt.

Die Filmemacher sind anwesend.

Screening

Fr, 20.11.2015

19:00
VIDEONALE.scope #3: Joseph Cornell I

Rose Hobart, 1936, 19’
Carrousell (1940er) 6’
Thimble Theatre (1940er), 6’
The Children’s Trilogy:
Cotillion, 1940, 8’
The Midnight Party, 1940, 3’
The Children's Party, 1940, 8’
Jack’s Dream (1940er) 4’
Untitled (Bookstalls), ca. 1930er, 11’

Joseph Cornell sammelte alte Filmkopien, um seinen behinderten Bruder damit zu unterhalten. Doch die Filme wurden bald langweilig, und so begann der Künstler, sie zu neuen Filmen zusammen zu schneiden. Vielen der Filme in diesem Programm merkt man an, dass ihre dadaistisch wirkende Montage erst einmal Spaß machen sollte. Aber ist der Spaß eines Spiels mit selbstgemachten Träumen. Rose Hobart, sein Meisterwerk, drehte Cornell freilich über die eigenen Sehnsüchte. Aus dem B-Picture East of Borneo schnitt er alle Actionszenen heraus, um ganz seinen Lieblingsstar Rose Hobart wirken zu lassen. Und entdeckte im Spiel der Blicke eine rätselhafte Erotik. Bei der Uraufführung in einer New Yorker Galerie kam es zu einem Skandal: Ein Besucher randalierte, weil ihm Cornell seine Träume gestohlen habe. Es war Salvador Dalí.

Screening

Fr, 20.11.2015

21:30
VIDEONALE.scope #3: Christoph Girardet & Matthias Müller IV

Home Stories, Matthias Müller, 1990, 6'
Alpsee, Matthias Müller,1994, 15'
Pensão Globo, Matthias Müller,1997, 15'
Album, Matthias Müller, 2004, 24'
Phantom, Matthias Müller, 2001, 5’
Hide, Christoph Girardet & Matthias Müller, 2006, 7'40
Contre-jour, Christoph Girardet & Matthias Müller, 2009, 10'40''

Matthias Müllers Filme handeln stets von der Ewigkeit und gleichzeitigen Flüchtigkeit des Kinos. Sie überhöhen die Irrealitiät und klinische Perfektion des Hollywood-Studiokinos der 1950er Jahre, das in seinen Dekors und Farben zitiert oder sogar minutiös nachgebaut wird. Zugleich aber geben sie diese Attribute, die „production values“, wie man in der Filmsprache sagen würde, dem Verfall Preis – einem Verfall, der sich bei näherem Hinsehen aber zugleich auch als Schöpfungsakt erweist.

Der Filmemacher ist anwesend.

Screening

Fr, 20.11.2015

23:00
VIDEONALE.scope #3: Künstlerische Kurzfilme der KHM Köln II

Tama Tobias Macht, Haltestelle Hansaring, 2008, 6'
Kate Dervishi, Labor Day in Metropolitan Detroit, 2014, 17‘
Jana Debus, Gregor Alexis, 2009, 21'
Maribel Chavez, Preparación, 2011, 2’
Sonja Engelhardt, 2004, 2004, 2'
Lena Ditte Nissen, Korona, 2013, 10'
Mischa Leinkauf & Matthias Wermke, Zwischenzeit, 2008,9‘

Mit „Gregor Alexis" schafft Jana Debus ein subtiles Porträt ihres schizophrenen Bruders, während Lena Ditte Nissen in „Korona“ die Reise einer jungen Frau in ihr innerstes Erleben mit mystisch minimalistischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen erzählt. Vom Individuellen wendet sich der Blick ins urbane Leben: In „Labor Day in Metropolitan Detroit“ wirft Kate Dervishi einen melancholisch-ironischen Blick auf ihre verlassene Heimatstadt. In einer ebenso einfachen wie kühnen urbanen Intervention transformieren Mischa Leinkauf und Matthias Wermke, die im letzten Jahr mit dem Flaggentausch auf der Brooklyn-Bridge weltweit für Schlagzeilen sorgten, in „Zwischenzeit“ den öffentlichen Personennahverkehr in Individualverkehr.

Das Programm wird vorgestellt von Prof. Daniela Kinateder (Künstlerische Montage) und Prof. Matthias Müller (Experimenteller Film).

Screening

Sa, 21.11.2015

19:00
VIDEONALE.scope #3: Joseph Cornell III

By Night with Torch and Spear, ca. 1940er, 8’
New York-Rome-Barcelona-Brussels, ca. 1940er, 10’
The Aviary, 1954, 11’
Nymphlight, 1957, 7’
A Legend for Fountains, 1957/1965, 17’
Angel, 1957, 3‘
Gnir Rednow, Stan Brakhage and Joseph Cornell, 1955 ‒ 1960er, 6‘
Mulberry Street, 1957/1965, 9’
Flushing Meadows, 1965/1978, 8’

Als Filmsammler entdeckte Joseph Cornell was er auch in seinen Collagen und Boxen zusammen trug: Eine geheimnisvolle, rätselhafte Schönheit. By Night with Torch and Spear entdeckt in auf dem Kopf stehenden Aufnahmen eines Stahlwerks eine majestätische Schönheit. Eingefärbt und leicht verlangsamt erwecken die Bilder ein stummes Pathos. Man fühlt sich in ein himmlisches Höllenfeuer versetzt.

Zu Gast: Jonas Mekas

Screening

Sa, 21.11.2015

21:00
VIDEONALE.scope #3: Joseph Cornell und seine Wegbegleiter

Cornell, 1965, Larry Jordan, 1978, 9’
Centuries of June, Stan Brakhage and Joseph Cornell, 1955, 11’
The Wonder Ring, Stan Brakhage, 1955, 4’
The Secret Story, Janie Geiser, 1996, 9’
What Mozart Saw on Mulberry Street, Rudy Burckhardt, 1956, 6’
Flower, the Boy, the Librarian, Stephanie Barber, 1996, 5’
Our Lady of the Sphere, Larry Jordan, 1972, 10’
What Makes Day and Night, Jeanne Liotta, 1998, 9’
Her Fragrant Emulsion, Lewis Klahr, 1987, 11‘
Oona's Veil, Brian Frye, 2000, 8’
Fresh Cornell, Daniel Kothenschulte, 2015, 14‘

Joseph Cornells Kunst stellt sich gegen das Vergessen.

Die Werkschau zu Joseph Cornell findet statt in Kooperation mit Anthology Film Archives, Canyon Cinema Foundation, The Film-Makers’ Cooperative und The Museum of Modern Art, New York.

Screening
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